Finanzen & Banking

Finanzierungsvermittler vs. Hausbank bei kurzer Beschäftigungsdauer

Hände ordnen Unterlagen auf einem Schreibtisch

5 Min. Lesezeit

Wer kurz vor der Antragstellung für eine Baufinanzierung steht und noch keine lange Beschäftigungsdauer vorweisen kann, steht vor einer praktischen Entscheidung: Reicht der Weg über die Hausbank, oder ist ein spezialisierter Finanzierungsvermittler die bessere Wahl? Diese Entscheidung hat direkte Auswirkungen darauf, wie viele Anfragen gestellt werden, wie diese bei Auskunfteien vermerkt werden und wie hoch die Chancen auf eine Zusage tatsächlich sind. Der folgende Vergleich ordnet beide Wege sachlich ein, ohne unbelegte Erfolgsversprechen zu machen.

Kurzvergleich: Finanzierungsvermittler und Hausbank im Überblick

Beide Wege verfolgen dasselbe Ziel, unterscheiden sich aber deutlich in Herangehensweise, Reichweite und Ablauf. Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Unterschiede in der konkreten Sondersituation kurze Beschäftigungsdauer.

| Kriterium | Finanzierungsvermittler | Hausbank |
|—|—|—|
| Bankauswahl | Kann mehrere Kreditinstitute mit unterschiedlichen Anforderungen einbeziehen | Prüft nur nach eigenen internen Richtlinien |
| Umgang mit Ablehnung | Kann vorab einschätzen, welche Bank überhaupt infrage kommt, bevor ein formeller Antrag gestellt wird | Eine Ablehnung wird bei Auskunfteien vermerkt und kann nachfolgende Anfragen erschweren |
| Fachwissen zu Sondersituationen | Kann Erfahrung mit ähnlichen Fällen haben, etwa Probezeit, befristete Verträge oder Jobwechsel | Einschätzung hängt von der jeweiligen Beraterin oder dem jeweiligen Berater vor Ort ab |
| Beziehung und Vertrauen | Keine gewachsene Kundenbeziehung in dieser Form | Bestehende Kundenbeziehung mit positivem Kontoverlauf kann ein Vorteil sein |
| Kosten | In der Regel kostenfrei für Verbraucher, Vergütung im Erfolgsfall durch die vermittelnde Bank | Keine gesonderten Vermittlungskosten, da direkter Vertragspartner |

Wann ein Finanzierungsvermittler sinnvoll ist

Ein Finanzierungsvermittler ist vor allem dann eine sinnvolle Option, wenn die eigene Situation von den üblichen Prüfkriterien einer Bank abweicht. Banken haben keine einheitliche gesetzliche Vorgabe, wie sie mit kurzer Beschäftigungsdauer umgehen müssen – die Kreditwürdigkeitsprüfung ist zwar gesetzlich vorgeschrieben, die konkrete Ausgestaltung liegt aber im Ermessen des jeweiligen Instituts. In der Praxis bedeutet das: Manche Banken lehnen [Finanzierungen während der Probezeit](/baufinanzierung-probezeit) grundsätzlich ab, andere prüfen den Einzelfall. Diese Uneinheitlichkeit ist der Hauptgrund, warum ein Vermittler in dieser Phase Mehrwert bieten kann. Da er in der Regel mit mehreren Kreditinstituten arbeitet, kann er vorab einschätzen, bei welchen Banken eine Anfrage überhaupt aussichtsreich ist, statt dass mehrere Ablehnungen bei Auskunfteien vermerkt werden. Zudem können Vermittler auf Erfahrungswerte aus ähnlichen Fällen zurückgreifen, etwa bei [befristeten Arbeitsverträgen](/befristeter-arbeitsvertrag-baufinanzierung) oder Berufseinstieg nach der Probezeit.

  • Die Hausbank hat bereits abgelehnt oder signalisiert Zurückhaltung.

  • Es besteht keine langjährige, belastbare Kontobeziehung zu einer Bank.

  • Zusätzlich zur kurzen Beschäftigungsdauer liegen weitere Besonderheiten vor, etwa ein [befristeter Vertrag](/befristeter-arbeitsvertrag-baufinanzierung) oder ein kürzlicher Jobwechsel.

  • Ein Überblick darüber gewünscht ist, welche Bank überhaupt realistisch infrage kommt, bevor ein formeller Antrag gestellt wird.

Wann die Hausbank ausreicht

Nicht jede Sondersituation erfordert automatisch einen Vermittler. Wenn eine langjährige, unauffällige Kontobeziehung besteht, das Einkommen deutlich über den üblichen Anforderungen liegt und ausreichend Eigenkapital vorhanden ist, kann die Hausbank die kurze Beschäftigungsdauer im Rahmen ihrer Einzelfallprüfung durchaus akzeptieren. Auch eine unbefristete Anstellung mit klar erkennbarer beruflicher Kontinuität kann von manchen Banken positiver bewertet werden als ein vollständiger Neueinstieg – eine allgemeine Tendenz, die keine feste Regel darstellt und im Einzelfall von der jeweiligen Bank abhängt. In diesen Fällen kann ein direktes Gespräch mit der Hausbank der schnellere und unkompliziertere Weg sein, insbesondere wenn dort bereits Vertrauen und Kenntnis der persönlichen finanziellen Situation bestehen.

  • Langjährige, stabile Kontobeziehung mit positivem Verlauf.

  • Einkommen und Eigenkapital liegen deutlich über den üblichen Mindestanforderungen.

  • Der neue Job ist unbefristet und fachlich vergleichbar mit der vorherigen Position.

  • Es gibt keine weiteren Besonderheiten wie befristete Verträge oder negative Bonitätsmerkmale.

Was rechtlich und praktisch dahintersteckt

Banken sind nach § 18a KWG verpflichtet, vor Abschluss eines Verbraucherdarlehensvertrags die Kreditwürdigkeit zu prüfen. Ein Vertrag darf nur geschlossen werden, wenn keine erhebliche Gefahr besteht, dass die Rückzahlung nicht erfolgen kann. Das Gesetz macht jedoch keine konkrete Vorgabe, wie eine kurze Beschäftigungsdauer zu bewerten ist – diese Einschätzung liegt bei jedem Institut individuell. Das erklärt, warum manche Banken bei Probezeit grundsätzlich zurückhaltend sind, während andere im Einzelfall zusagen, teils mit der Bedingung, dass die Auszahlung erst nach Ende der Probezeit erfolgt. Wichtig für die Entscheidung zwischen Vermittler und Hausbank ist außerdem: Jede formelle Kreditanfrage kann bei Auskunfteien vermerkt werden und die Chancen bei der nächsten Bank beeinflussen. Ein strukturierter Vorab-Check, welche Bank überhaupt realistisch ist, reduziert dieses Risiko unabhängig davon, ob am Ende die Hausbank oder ein vermitteltes Institut den Zuschlag erhält.

Entscheidungshilfe für den nächsten Schritt

Weder die Hausbank noch ein Finanzierungsvermittler ist grundsätzlich die bessere Wahl – entscheidend ist die individuelle Ausgangslage. Wer eine belastbare Bankbeziehung, hohes Einkommen und keine weiteren Besonderheiten hat, kann den direkten Weg über die Hausbank versuchen. Wer bereits eine Ablehnung erhalten hat, keine gewachsene Bankbeziehung besitzt oder mehrere Sonderfaktoren gleichzeitig vorliegen, profitiert in der Regel davon, die eigene Situation zunächst strukturiert einschätzen zu lassen, bevor eine formelle Anfrage gestellt wird. Genau an diesem Punkt setzt der [Finanzierungs-Eignungscheck](/finanzierungs-eignungscheck) an: Er zeigt, welche Faktoren im konkreten Fall realistisch ins Gewicht fallen, bevor überhaupt ein Antrag bei einer Bank oder einem Vermittler eingereicht wird.

Häufige Fragen

Nein. Es gibt keine gesetzliche Regelung, die eine Finanzierung während der Probezeit verbietet. Banken müssen nach § 18a KWG lediglich die Kreditwürdigkeit prüfen. Ob und wie eine kurze Beschäftigungsdauer bewertet wird, entscheidet jedes Institut nach eigenen internen Richtlinien.

Formelle Kreditanfragen können bei Auskunfteien vermerkt werden und spätere Anfragen beeinflussen. Deshalb kann es sinnvoll sein, die eigene Aussichtslage vorab einschätzen zu lassen, statt nacheinander mehrere Banken direkt anzufragen.

Seriöse Finanzierungsvermittler bieten ihre Leistung für Verbraucher in der Regel kostenfrei an und erhalten im Erfolgsfall eine Provision von der vermittelnden Bank. Vor einer Zusammenarbeit lohnt sich dennoch ein Blick auf die genauen Konditionen.

Nein. Der Umfang der Bankanbindung unterscheidet sich von Vermittler zu Vermittler. Das bedeutet nicht automatisch bessere Chancen, sondern zeigt, dass sich ein Vergleich der eigenen Ausgangslage lohnt, bevor man sich für einen bestimmten Weg entscheidet.

Weitere Ratgeber